byJelena Puzic date8.09.2021 give

Ascona für Kinderaugen

Das Verzascatal, die verwunschenen Seenlandschaften und das einzigartige Klima der Alpensüdseite – all dies und noch viel mehr macht eine Kindheit im Tessin unvergleichlich. Viele unserer Mitarbeitenden im Hotel Eden Roc hatten dieses Glück, so wie zum Beispiel Maddalena Mora. Sie ist Floristin im Hotel, aber in ihrer Freizeit ist sie ganz die Künstlerin. Sie kreiert Kunst aus Leidenschaft. Die Eden News, die wöchentliche Ausgabe der Hauszeitung, die in den Zimmern ausliegt, verziert Sie mit ihren farbenprächtigen Zeichnungen. Für die kleinen Gäste des Hotels hat sich Maddalena etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie hat Erlebnisse aus ihrer Kindheit zusammengetragen und in einem Buch verfasst, das es Kindern im Hotel ermöglicht, das Tessin aus Kinderaugen zu sehen und spielerisch zu erleben. Wie es zu diesem Projekt kam und was es ihr bedeutet, das hat uns Maddalena erzählt.

 

Du hast das Kinderbuchprojekt auf eigene Faust gestartet, wie kam es dazu?

In einigen Gesprächen mit unserem Hoteldirektor Simon Spiller hat sich diese Idee realisiert, weil ich mir die Frage gestellt habe, was wir unseren kleinen Gästen im Hotel bieten können. Als Kind habe ich mich für so vieles in meiner Umgebung interessiert und das Lesen mit meinen Eltern hat meine Fantasie immer besonders inspiriert.

 

Worum geht es in diesem Buch, welche Geschichte erzählst Du?

Die Geschichte handelt von einem Geschwisterpaar, das dank der Begegnung mit einer magischen Fee das Verzascatal durchquert und seine Wunder entdeckt. Das Tal liegt mir persönlich sehr am Herzen, da ich dort aufgewachsen bin und magische Winter und Sommer an jenem Platz verbracht habe. Als Kind ist es einfach eine wundervolle Umgebung zum Spielen. Man geniesst es, ist gerne draussen, lernt die Natur kennen und zu schätzen. Später wird einem dann auch klar, wie unglaublich schön diese Gegend ist. Natur kann so schön sein und es bereitet mir Freude, Kindern meine Liebe zu dieser einzigartigen Region weiterzugeben.

 

Was bedeutet es, als Kind in dieser fast verwunschenen Region aufzuwachsen?

Das Tessin ist bekannt als die Sonnenstube der Schweiz, und für mich ist es immer wie Urlaub mit Erinnerungen aus meiner Kindheit. Die Schönheit des Lago Maggiore und seiner Berge, die Sonne, die uns so oft begleitet, und die vielen Orte, die es zu entdecken gibt – für Kinder ist es eine Region, an die man immer wieder zurückkehren wird, auch als Erwachsener.

 

Was sind deine schönsten Kindheitserinnerungen?

Ich habe schon immer vom Fliegen geträumt. Sobald sich eine Gelegenheit bot, sprang ich von Mauern oder Bäumen und versuchte zu fliegen. Ich band mir sogar Luftballons an die Füsse und Hände. Im Garten meiner Familie haben wir eine hohe Mauer, und mein Vater liess mich, um mich zu amüsieren, wie eine Verrückte von der Mauer springen und sagte mir, ich solle mich wie ein Seestern ausbreiten. Natürlich warteten seine sicheren Arme unten auf mich.

 

Das Buch wird nicht wie gewöhnliche Bücher gedruckt und sieht überhaupt ganz anders aus. Wie können wir uns das vorstellen?

Das Buch ist im Siebdruckverfahren gedruckt, einer der frühesten Drucktechniken, die auch heute noch verwendet wird, insbesondere für Werke mit kleinen Auflagen. Die Qualität des Papiers ist sicherlich eine Besonderheit, rau und porös wie Briefpapier und der Druck ist leicht erhaben, man kann die Farbmerkmale sehen, es vibriert förmlich unter den Fingern, wenn man es berührt. Es ist nicht perfekt und das macht es einzigartig, jedes einzelne Exemplar. Es gibt 400 Stück, eine bereits hohe Zahl für diese Art von Druck. Es wird nicht möglich sein, sie zu duplizieren sobald der Druck fertig ist, da die Rahmen für einen neuen Auftrag gewaschen werden. Ich finde ich es schön, vor allem heute zu versuchen, etwas Einzigartigen zu schaffen.

Man kann nicht nur lesen, sondern auch ausmalen?

Genau, ich habe das Papier gewählt, weil ich wollte, dass es perfekt für die jüngsten Kinder ist, damit sie auch durch Malen mit der Geschichte interagieren können.

Bisher hast du immer Kunst gemacht, jetzt schreibst du dazu noch. Wie war deine Erfahrung, möchtest du das auch weiterführen?

Das Schreiben war schon immer ein Ventil für mich. Ich schreibe oft zu Hause, aber nichts, was mit einem Kinderbuch zu tun hat. Es hat Spass gemacht, auch wenn es überhaupt nicht einfach ist, denn es ist sehr abstrakt. Wir denken mit dem Kopf eines Erwachsenen. Dabei für Kinder zu schreiben, ist schon eine besondere Herausforderung. Ich habe keine Antwort auf die Frage, ich werde mich überraschen lassen, aber sicher ist, dass ich weiter zeichnen werde.

Erzähl uns doch kurz von der Künstlerszene in Ascona und Umgebung

Es ist nicht so, dass es keine Künstler mehr gäbe, im Gegenteil. Aber die Orte, an denen sie auftreten können, sind sehr rar geworden, was für die Kunst, die Raum braucht, um sich auszudrücken, überhaupt nicht zutrifft, würde ich sagen. Ich kenne viele junge Künstler, die sich ausdrücken wollen und müssen – in der Musik, im Theater, in der Malerei und in der Bildhauerei – und leider gibt es nur sehr wenige Orte, an denen sie sich frei entfalten können. In den letzten Monaten habe ich zusammen mit zwei jungen Männern, einem Maler und einem Karikaturisten, in Locarno einen Raum geschaffen, in dem wir Kurse geben und die Möglichkeit haben, etwas zu kreieren. Wobei wir auch Veranstaltungen mit Live-Musik, Tanz und Workshops anbieten.

Apropos Räume: Nicht zu vergessen ist die Casa Epper, die nach ihrer Renovierung über ein grosses Potenzial verfügt, und es wäre fantastisch, wenn man sie nutzen könnte, um der Kunst in Ascona und Umgebung ein neues Gesicht zu geben. Es ist das ehemalige Wohnhaus des Künstlers Ignaz Epper, der als der Hauptvertreter des Schweizer Expressionismus gilt. Das Hotel Eden Roc hat die Casa Epper gekauft, um daraus eine Begegnungsstätte zu machen, für Künstlern und Kunstinteressierten, um damit die Kunstszene in Ascona wiederzubeleben. Die Stadt verfügt über so ein grosses kulturelles Erbe und das Eden Roc ist stolz dazu beizutragen. Aber mehr möchte ich noch nicht verraten. Im nächsten Blogbeitrag kann ich dazu bestimmt schon mehr erzählen.

 

Wann kann man mit dem Buch rechnen?

Wenn alles klappt, werden die Bücher ab September im Hotel zu lesen sein. Ich freue mich schon sehr darauf.